Kirche Zu unserer lieben Frau

Kirche „Zu unserer Lieben Frau"

Kirche „Zu unserer Lieben Frau"

Die Pfalzgrafen von Tübingen, ein schwäbisches Adelsgeschlecht, waren zwischen dem 12.-14. Jahrhundert „Die“ lokale Macht in der heutigen Region Neckar Alb. Als Eigentümer des Schönbuchs und Stifter des Klosters Bebenhausen übten sie auf die Schönbuchortschaften unmittelbaren weltlichen, wie auch klerikalen Einfluss aus.

Zeitnah zur frühesten urkundlichen Erwähnung 1343 - eine Dame aus Pliezhausen vermacht der Kirchenpflege Neuenhaus eine „Ewig-Licht-Spende“ aus dem Erlös eines ihrer Grundstücke - wird Neuenhaus um 1360/70 im Zusammenhang mit dem Pfarrsprengel von Weil im Schönbuch erneut genannt.  Ob das erste Gotteshaus eine bloße Kapelle oder ein massiver Kirchenbau war, bleibt unklar. Die letzte Renovierung (2015/16) förderte jedoch Erstaunliches zu Tage: Das Holz, das im Dachstuhl des Kirchenschiffes verbaut ist, wurde demnach im Winter 1341/1342 geschlagen. Bisher war man davon ausgegangen, dass der im Jahr 1480 gesetzte Schlussstein im Chor der Kirche das Baujahr angibt. Im späten 15. Jahrhundert führte das Kloster Bebenhausen an der kleinen Kapelle umfangreiche Baumaßnahmen durch, die der Kirche das prägende Gesicht der Gegenwart verleihen. Nahezu zeitgleich zur Reformation 1534, die der Landesherr Herzog Ulrich entsprechend seiner Überzeugung in seinem Herzogtum Württemberg einführte, wird auch die Schutzpatronin „Unsere Liebe Frau“ 1533 erstmals genannt.

Es gab über die Jahrhunderte allerlei bauliche Veränderungen oder Entdeckungen, wie die interessante Farbgebung aus dem 16. Jhdt,  eine 1861 an der Südseite angebaute Sakristei, die 1961 wieder entfernt wurde, ein Blitzeinschlag sichtbar in den Ziegeln bis zur Neueindeckung 1973.

1973 erfolgte eine Entkernung der Kirche und 2000 die komplette Außenrenovierung.

Die heutigen Bemalungen der Kirche wurden 1960/62 freigelegt und entstammen den Verschönerungsmaßnahmen des 16. Jhdts. Auch die Glasfenster stammen aus den 60er Jahren und zeigen Szenen aus der Passionsgeschichte und das Pfingstereignis.

Und noch eine Besonderheit gibt es: der Turm der evangelischen Kirche Zu Unserer Lieben Frau in Aichtal-Neuenhaus ist um 25 Zentimeter gen Nord-Ost geneigt. Das schiefe Mauerwerk hat sich nicht nur in den vergangenen mehr als 600 Jahren erfolgreich dem Wirken der Schwerkraft widersetzt – es steht auch weiterhin auf festem Grund. „Der Turm muss sich schon in der Bauphase geneigt haben. Die Kirche steht am tiefsten Punkt des Orts, da war der Untergrund wahrscheinlich von Beginn an kritisch. Das auf ihn gesetzte Dachfachwerk ist dann wieder schwäbisch korrekt im Lot“, sagt der Tübinger Restaurator Martin Holzinger.

Mesnerin

Elli Krohmer
Tel.:  (07127) 59063 
E-Mail: erichkrohmerdontospamme@gowaway.gmx.de