Kirchturm Neuenhaus: Generalsanierung steht an

Seit dem Spätmittelalter erhebt sich der schlanke, 42 Meter hohe Kirchturm der Kirche zu unserer lieben Frau über Neuenhaus und ist zum Wahrzeichen des Dorfs der Häfner geworden. Seine glänzenden, grünglasierten Ziegel, die gemischt mit gelben, roten und braunen Exemplaren ein einzigartiges Mosaik auf dem Turmhelm bilden, stammen noch aus der einst im Ort beheimateten Ziegelherstellung. Sie sind also ein Stück Ortsgeschichte. Zugleich verbinden sie auch die beiden, heute zu einer evangelischen Kirchengemeinde zusammengeschlossenen Aichtaler Teilorte Neuenhaus und Aich: Ein Teil der heute auf dem Neuenhäuser Kirchturm zu findenden Ziegel hat 1972 bei der letzten Turmsanierung seinen Weg vom vormals grün gedeckten Kirchturm der Aicher Albanuskirche nach Neuenhaus gefunden. Einer dieser knapp zehntausend bunten Dachziegel hat sich im vergangenen Sommer vom Turmdach gelöst und im Herabfallen weitere Ziegel zerstört. Diesen Schaden hat die Evangelische Kirchengemeinde Aich-Neuenhaus zum Anlass genommen, den Zustand des Kirchturms genau unter die Lupe zu nehmen. Zusammen mit Architekt Eberhard Wurst aus Reutlingen, einem Fachmann für historische Bauwerke, wurden die notwendigen Voruntersuchungen eingeleitet. Ein erstes Ergebnis konnte den interessierten Gemeindegliedern bei einer Gemeindeversammlung am 22. Juli 2019 in der Neuenhäuser Kirche präsentiert werden: Eine neue Eindeckung des Daches und ein Ersatz der Dachlatten werden notwendig. Wie viele der alten Dachziegel weiterverwendet werden können, wird eine genaue Sichtung ergeben. Um zu beurteilen, welche Teile des Dachstuhles saniert werden müssen, ist ein genaues Aufmaß des Turmes und eine eingehende statische Untersuchung nötig. Auch die drei Glocken und der Glockenstuhl der Kirche werden unter die Lupe genommen. Hierzu liegt ein Gutachten des Glockensachverständigen vor, der Holzjoche, neue Klöppel und verbesserte Schallläden empfiehlt, gegebenenfalls auch den Ersatz des bisherigen Stahl- durch einen Holzglockenstuhl. Architekt Eberhard Wurst bringt die Ergebnisse des Gutachtens auf den Punkt: „Werden die Maßnahmen umgesetzt, klingen die Glocken auf jeden Fall schöner als je zuvor.“ In der Gemeindeversammlung zeigten die anwesenden Gemeindeglieder großes Interesse am künftigen Aussehen des Turmes, insbesondere des Turmdachs. Architekt Eberhard Wurst und Pfarrer Ralf Alexander Sedlak versicherten, dass die Kirchengemeinde in Abstimmung mit dem Denkmalamt bestrebt sei, die ortsbildprägende Ansicht mit dem grüngemusterten Kirchturmdach zu erhalten. Eine genaue Kostenaufstellung und einen Fahrplan für die anstehenden Bauarbeiten wird es geben, wenn die statischen Voruntersuchungen abgeschlossen sind. Schon heute ist klar, dass die Sanierung mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird und nicht ohne Spenden finanziert werden kann. Der Startschuss für die Baumaßnahmen kann bald fallen, weil ein möglicher Hinderungsgrund schon einmal nicht besteht: Im Kirchturm hausen keine Fledermäuse.

 

 

Ralf Alexander Sedlak,